Try-Scorer-Wetten im Rugby — Welche Spieler statistisch am häufigsten punkten

Try-Scorer-Wette Rugby — Statistik und Positionen

Die schönste Try-Scorer-Wette meiner letzten Saison war eine Niederlage. Ich hatte vor dem Six-Nations-Spiel Frankreich gegen Italien drei Einzeltipps platziert — alle auf etablierte Backs, alle zu mittleren Quoten. Den entscheidenden Versuch erzielte stattdessen ein junger Loose Forward, der bis dahin in der Saison nicht einmal in der Try-Statistik aufgetaucht war. Der Markt hatte ihn fair eingepreist, ich hatte ihn schlicht übersehen.

Genau diese Mischung aus statistischer Logik und Restunsicherheit macht Try-Scorer-Märkte interessant. Sie belohnen Wetter, die hinter die Namen blicken und Positionen, Spielsysteme und Rollen verstehen. Im Six Nations 2026 fielen 111 Tries in 15 Spielen — 7,4 pro Begegnung, ein Rekord für das Turnier. Das ist statistisch der dichteste Try-Output, den der Wettmarkt je verarbeiten musste, und es macht Try-Scorer-Wetten heute relevanter als noch vor wenigen Jahren.

Die drei Märkte und wofür sie taugen

Anytime, First, Last Try Scorer — drei Begriffe, drei sehr unterschiedliche Wetten. Wer den Unterschied nicht im Schlaf kennt, verschenkt regelmässig Value. Ich gehe der Reihe nach durch, mit den Quoten-Bändern, die in der Praxis bei Six-Nations- und Premiership-Spielen üblich sind.

Anytime Try Scorer ist die freundlichste Variante: Der Spieler muss irgendwann im Match einen Versuch erzielen, egal ob in Minute 3 oder Minute 78. Für einen aktiven Flügel oder Center liegt die Quote bei einem Topspiel typischerweise zwischen 2,20 und 3,50. Für einen Stürmer aus der dritten Reihe sind 5,00 bis 9,00 normal, für reine Pack-Spieler im Scrum oft gar nicht erst angeboten. Diese Wette ist statistisch am ehrlichsten — sie folgt schlicht der Häufigkeit, mit der ein Spieler in einer Saison tatsächlich gepunktet hat.

First Try Scorer verschiebt das Spielfeld erheblich. Hier zählt nur der allererste Versuch im Match — egal, wie oft der Spieler später noch über die Linie geht. Quoten beginnen für Top-Try-Scorer um 7,00 und reichen für Aussenseiter bis weit über 20,00. Der Markt ist hochvolatil und sehr abhängig vom Spielanfang. Wer früh einen Versuch erwartet (etwa nach starkem Druck der Heimmannschaft in den ersten zehn Minuten), kann hier deutlich höhere Erträge erzielen als bei Anytime — bezahlt aber mit erheblich geringerer Trefferquote.

Last Try Scorer ist die exotische Variante. Sie belohnt Spieler, die in der Schlussphase eingewechselt werden oder im „Garbage Time“ punkten, wenn das Spiel bereits entschieden ist. Quoten liegen meist im selben Bereich wie First Try, manchmal etwas niedriger. Praktisch nützlich vor allem bei Spielen mit hohem Punkte-Erwartungswert, in denen die Bank gegen Ende grosszügig rotiert wird.

Ein wenig beachteter vierter Markt ist „To Score 2+ Tries“ — Quoten zwischen 5,00 und 25,00, je nach Spieler. Bei Begegnungen mit klarem Aussenseiter, in denen ein Backs-Star der Favoriten regelmässig zwei oder drei Versuche aus dem Spiel heraus erzielt, ist das oft die analytisch sinnvollste Wette.

Was die Positionen tatsächlich sagen

Eine alte Weisheit aus dem Wettforum lautet: „Wenn du nicht weisst, auf wen du tippen sollst, nimm einen Flügel.“ Wie bei vielen Heuristiken steckt ein Kern Wahrheit darin — aber auch ein Stück Vereinfachung, das einen die Quote kostet.

Flügelspieler erzielen tatsächlich überproportional viele Versuche. In den meisten Top-Wettbewerben kommen 35 bis 45 Prozent aller Tries von den beiden Wings, weil sie am Ende der Angriffsketten stehen und über die Aussenbahn am häufigsten Räume finden. Center sind die zweitstärkste Gruppe mit etwa 15 bis 20 Prozent, gefolgt von Fullbacks bei 8 bis 12 Prozent. Dahinter folgen Flanker, Nummer 8 und Hooker — die Stürmer-Tries kommen meist aus Driving Mauls oder Pick-and-go-Phasen nahe der Linie.

Wichtiger als die globale Verteilung ist aber, wie sie sich pro Spiel verschiebt. Im Six Nations 2026 fiel jeder zweite Try der Iren aus einer Mauls-Situation — dort lagen die Quoten auf Stürmer-Try-Scorer deutlich besser bei Buchmachern, die das Spielmuster nicht eingepreist hatten. Wer die letzten drei bis vier Spiele einer Mannschaft analysiert und die Try-Quellen sortiert, findet regelmässig solche Verschiebungen. Eine Mannschaft, die in zwei Spielen in Folge alle Versuche aus Lineouts erzielt hat, wird im dritten Spiel mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eine ähnliche Verteilung produzieren — vorausgesetzt, die Gegner-Defense erlaubt das Muster.

Eine zweite Verzerrung: Kicker punkten weniger an Versuchen, aber stehen oft im Penalty- und Drop-Goal-Markt. Wer reine Try-Scorer-Wetten von „First Score“ oder „Anytime Score“ trennen kann, vermeidet, einen Out-Half mit dominantem Kicking-Spiel fälschlich als Try-Kandidaten zu führen.

Was der Bielle-Biarrey-Rekord für den Markt bedeutet

Manche Wettmärkte werden durch einen einzelnen Spieler verschoben. Louis Bielle-Biarrey erzielte im Six Nations 2026 neun Versuche und stellte damit einen Allzeit-Rekord für eine einzelne Auflage auf. Vor diesem Turnier hatte ihn der Markt als Top-Try-Scorer-Kandidaten bei Quoten um 5,00 bis 7,00 geführt. Wer schon nach den ersten beiden Spieltagen — mit Versuchen in jedem Match — auf den Top-Scorer gewettet hat, fand Mitte des Turniers immer noch Quoten um 3,00. Nachträglich offensichtlich, in der Saison aber nicht trivial: Anbieter passen Top-Scorer-Quoten nur langsam an, weil die meisten Wetter dem ursprünglichen Outlook misstrauen.

Bielle-Biarrey hat 2026 ausserdem in zehn aufeinanderfolgenden Six-Nations-Spielen gepunktet — eine Serie, die statistisch sehr ungewöhnlich ist. Für den Anytime-Try-Scorer-Markt ist genau das die wertvollste Information: Ein Spieler mit zehn aufeinanderfolgenden Try-Spielen hat eine implizite Trefferquote von 100 Prozent, was eine „faire“ Quote unter 1,40 ergeben würde. Buchmacher boten ihn aber regelmässig zwischen 1,80 und 2,30 an, weil sie die Mean-Reversion einpreisen — also damit rechnen, dass die Serie irgendwann reisst. Das Argument ist plausibel, aber die Spanne zwischen impliziter und angebotener Quote war ein gutes Beispiel für überdimensionalen Marktwiderstand.

Der zweite historische Vergleichspunkt: Bielle-Biarrey ist nach Chris Ashton (2011) der erste Spieler, der vier Versuche in einem einzigen Six-Nations-Spiel erzielte. Eine 15 Jahre lange Serie, die nur einmal gebrochen wurde, sagt einiges über die Seltenheit solcher Performances und damit über die typische Volatilität von „2+ Tries“- oder „3+ Tries“-Märkten.

Quoten lesen und Value identifizieren

Eine konkrete Methode, die ich Wettern empfehle: Vergleichen Sie die angebotene Anytime-Try-Scorer-Quote mit der historischen Trefferquote über die letzten zehn Spiele. Rugby-Wetten bei führenden Anbietern weisen Quotenschlüssel von 92 bis 95,1 Prozent auf, mit bet-at-home im oberen Bereich für nationale Ligen. Das heisst: Bei einer „fairen“ impliziten Quote von 2,50 sollte ein guter Anbieter etwa 2,30 bis 2,40 anbieten, ein durchschnittlicher 2,20. Liegt die angebotene Quote bei 2,70 oder höher, ist das ein Hinweis auf Value — oder auf eine Information, die der Buchmacher hat und Sie nicht.

Eine zweite Heuristik: Die Quote des Top-Try-Scorers des aktuellen Turniers steigt typischerweise nach jedem Spiel, in dem er nicht trifft. Wer ihn nach einer try-losen Partie kauft, bekommt regelmässig 20 bis 30 Prozent bessere Quoten als nach einem 2-Try-Auftritt. Das ist banal, aber überraschend selten genutzt — Wetter neigen dazu, dem heissen Spieler hinterherzulaufen.

Für Detail-Analysen lohnt sich der Blick auf den Bielle-Biarrey-Rekord beim Six Nations, der zeigt, wie sich aussergewöhnliche Einzelspieler-Performances auf den ganzen Markt auswirken.

Welche Position erzielt im modernen Rugby die meisten Tries pro Spiel?

Flügelspieler dominieren die Try-Statistik klar. In den meisten Top-Wettbewerben stammen 35 bis 45 Prozent aller Versuche von den beiden Wings. Center liegen mit etwa 15 bis 20 Prozent auf Platz zwei, Fullbacks und Loose Forwards folgen. Die Verteilung verschiebt sich aber je nach Spielsystem der Mannschaft.

Lohnt sich eine Anytime-Try-Scorer-Wette mehr als ein First-Try-Markt?

Für die meisten Wetter ja. Anytime hat eine deutlich höhere Trefferquote und reagiert direkter auf die individuelle Form eines Spielers. First Try ist ein hochvolatiler Markt, der vor allem dann sinnvoll ist, wenn man eine starke Meinung zum Spielanfang hat, etwa bei klarer Heimstärke des Favoriten in den ersten zehn Minuten.

Geschrieben von der Redaktion „Rugby Union Wettanbieter Schweiz”.