GESPA-Sperrliste erklärt — Warum 2’597 Wett-Domains in der Schweiz blockiert sind

Im Sommer 2025 habe ich für einen Kollegen geprüft, warum sein Lieblings-Buchmacher plötzlich nicht mehr erreichbar war. Die Antwort fand sich nicht beim Provider, nicht beim Browser, sondern in einem PDF auf der Website der Interkantonalen Geldspielaufsicht. Sein Anbieter stand seit drei Wochen auf der Sperrliste — und damit nicht mehr allein. Im August 2025 erreichte die GESPA-Sperrliste illegaler Online-Glücksspiel-Anbieter einen Rekordwert von 2’597 Domains. Innerhalb von nur drei Monaten waren 129 neue Einträge dazugekommen.
Für jeden Schweizer Rugby-Wetter ist das mehr als eine bürokratische Randnotiz. Es ist die operative Grundlinie, an der sich entscheidet, ob ein Wettkonto morgen noch funktioniert, ob eine Einzahlung durchgeht und ob Gewinne überhaupt ausgezahlt werden. In diesem Beitrag zeige ich, wie die Sperrliste konkret funktioniert, warum sie so schnell wächst und was das praktisch für Tipper bedeutet, die auf Six Nations, Premiership oder die Champions Cup setzen wollen.
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Was hinter der DNS-Blockade technisch passiert
Stellen Sie sich die Sperrliste wie eine Telefonbuch-Korrektur vor: Sie wählen die Nummer, das Buchanschluss-Verzeichnis schickt Sie aber an eine Hinweis-Seite statt zum gewünschten Anschluss. Genau so arbeiten Schweizer Internetanbieter mit der GESPA-Liste — auf DNS-Ebene werden Anfragen an gesperrte Domains umgeleitet, bevor sie das Ziel erreichen.
Die rechtliche Basis liegt im Geldspielgesetz, das seit 2019 in Kraft ist. Sportwetten dürfen in der Schweiz nur von zwei Lizenznehmern angeboten werden: Swisslos mit Sporttip in der Deutschschweiz, im Tessin und in Liechtenstein, sowie Loterie Romande mit Jouez Sport in der Westschweiz. Alles, was darüber hinausgeht und sich aktiv an Schweizer Spielende richtet, landet potenziell auf der Liste — egal, ob der Anbieter eine Lizenz aus Malta, Curaçao oder Gibraltar hat.
Die GESPA arbeitet dabei nicht reaktiv auf einzelne Beschwerden, sondern führt eigene Marktbeobachtung durch und veröffentlicht eine konsolidierte Liste. Ende 2024 standen 490 Domains darauf, mit vier Aktualisierungen über das Jahr verteilt. Bis August 2025 hatte sich die Zahl mehr als verfünffacht. Der Sprung erklärt sich nicht durch eine plötzliche Welle illegaler Neugründungen, sondern durch eine deutlich strengere Erfassung von Mirror-Domains und Sub-Brands — viele Operatoren betreiben dieselbe Plattform unter mehreren Adressen, und die GESPA katalogisiert sie inzwischen einzeln.
Wichtig zu verstehen: Die DNS-Sperre ist keine Mauer, sondern ein Sieb. Wer mit VPN oder geänderten DNS-Einstellungen unterwegs ist, kommt technisch durch. Aber das Spielen auf gesperrten Seiten bleibt rechtlich problematisch, und die Provider können die Sperre jederzeit auf weitere Ebenen ausweiten, etwa auf Zahlungsdienstleister.
Warum die Liste so schnell explodiert
Wenn Sie sich fragen, warum eine Behörde in wenigen Monaten Hunderte neue Einträge produziert, lohnt ein Blick auf die Aktualisierungsmechanik. Bis 2024 erschien die Liste etwa quartalsweise, mit vier Veröffentlichungen pro Jahr. Inzwischen ist der Zyklus dichter geworden — neue Einträge kommen in kürzeren Abständen, weil sich auch der Markt schneller bewegt.
Hinter den 2’597 Domains stecken keineswegs 2’597 verschiedene Operatoren. Viele grosse internationale Plattformen pflegen ein Geflecht aus Hauptseite, Spiegel-Domain, regional angepassten Varianten und White-Label-Partnerschaften. Sobald die GESPA eine erkennt, kommen oft die anderen mit dazu — das erklärt den sprungartigen Anstieg zwischen Mai und August 2025.
Für den Rugby-Wetter ist die Wachstumsdynamik wichtiger als die Absolutzahl. Sie bedeutet: Eine Plattform, die heute noch erreichbar ist, kann in der nächsten Aktualisierung verschwinden. Wer ein aktives Konto bei einem nicht-lizenzierten Anbieter hält, muss damit rechnen, dass der Zugang abrupt endet — typischerweise ohne Vorankündigung an die Spielenden, weil die Kommunikation zwischen Anbieter und GESPA stattfindet, nicht zwischen Anbieter und Kunde.
Die Liste ist öffentlich einsehbar und wird auf der GESPA-Website als PDF publiziert. Ein kurzer Check vor der ersten Einzahlung dauert keine zwei Minuten — und erspart später unter Umständen Stunden Klärungsaufwand.
Wer die Entwicklung über mehrere Jahre verfolgt, sieht ein klares Muster: Die Sperrliste wächst nicht linear, sondern in Schüben. Auf eine Phase mit nur wenigen Dutzend Neueinträgen folgt typischerweise eine Welle, in der die GESPA ein ganzes Operator-Netzwerk identifiziert und alle zugehörigen Adressen auf einmal aufnimmt. Für Wetter mit längerem Horizont heisst das: Ein Anbieter, der heute „unter dem Radar“ wirkt, kann morgen Teil einer grossangelegten Aufnahme werden — gerade dann, wenn er gerade an Marktanteilen gewinnt und damit überhaupt erst Aufmerksamkeit auf sich zieht.
So prüfen Sie einen Anbieter in unter fünf Minuten
Ein Rugby-Wetter aus Zürich erzählte mir letzte Saison, er habe vor jedem Six-Nations-Spieltag drei verschiedene Plattformen verglichen — und sei erst nach dem dritten Versuch auf einen Anbieter gestossen, dessen Adresse aktuell nicht gelistet war. Das Vorgehen ist nicht kompliziert, aber es braucht eine kleine Routine.
Schritt eins: Die Domain notieren, exakt wie sie im Browser steht. Achten Sie auf Endungen — eine gesperrte „.com“ sagt nichts über eine „.ch“-Variante derselben Marke, und umgekehrt. Schritt zwei: Die aktuelle GESPA-Liste auf der Behörden-Website öffnen und per Volltextsuche im PDF nach der Domain suchen. Schritt drei: Wenn der Treffer ausbleibt, lohnt sich ein Blick auf die Lizenzangabe im Footer der Wettseite. In der Schweiz sind aktuell nur zwei Anbieter offiziell für Online-Sportwetten lizenziert — alles andere operiert mit ausländischer Lizenz, was nicht automatisch illegal sein muss, aber das Risiko einer späteren Sperrung deutlich erhöht.
Eine pragmatische Faustregel: Wenn ein Anbieter aggressiv mit „Willkommensbonus für die Schweiz“ wirbt, deutsche Sprachversionen anbietet und CHF als Kontowährung führt, aber keine Schweizer Lizenz hat, ist die Sperrwahrscheinlichkeit hoch. Die GESPA zielt genau auf Plattformen, die sich aktiv an Schweizer Spielende richten, nicht auf Auslands-Sites mit zufälligen Schweizer Besuchern.
Wer einen tieferen Vergleich der beiden lizenzierten Plattformen sucht, findet die wichtigsten Unterschiede in unserem Beitrag zu Sporttip und Jouez Sport im Rugby-Vergleich.
Was passiert, wenn Ihr Anbieter plötzlich auf der Liste landet
Die unangenehme Nachricht zuerst: Wenn ein Anbieter neu gesperrt wird, sind in der Regel zuerst Neueinzahlungen betroffen — Schweizer Karten und TWINT werden blockiert. Bestehende Guthaben sind technisch noch beim Operator, aber der Zugang über Schweizer IP wird zunehmend schwierig.
Was funktioniert in der Praxis meistens noch: die Auszahlung bestehender Beträge per Banküberweisung. Operatoren, die langfristig in europäischen Märkten bleiben wollen, behindern Auszahlungen ungern aktiv — der Imageschaden wäre grösser als der wirtschaftliche Vorteil. Erfahrungsgemäss dauern solche Auszahlungen nach einer Sperrung allerdings länger als üblich, oft zwei bis vier Wochen statt der gewohnten zwei bis fünf Tage.
Schwieriger wird es bei laufenden Wetten, besonders bei Langzeitwetten auf den Rugby World Cup oder Six-Nations-Outright-Tipps. Hier gilt: AGB lesen. Manche Anbieter zahlen Tickets nach aktuellem Stand aus (Void-Regel), andere lassen die Wette bis zur Entscheidung laufen, sofern der Spieler Zugang behält. Wer eine grössere Langzeitwette bei einem nicht-lizenzierten Anbieter platziert, sollte das Risiko einer Sperrung als reale Variable einkalkulieren — nicht nur das sportliche Risiko der Wette selbst.
Eine zweite Konsequenz betrifft Boni und Freebets. Wenn eine Plattform gesperrt wird, verfallen offene Bonus-Salden oft schneller als das Echtgeld-Guthaben — manche Operatoren reduzieren die Frist nachträglich, weil die fortlaufende Werbung in der Schweiz untersagt ist. Wer auf einen 200-CHF-Bonus mit 30 Tagen Umsatzfrist gesetzt hat und drei Tage nach der Einzahlung von einer Sperrung überrascht wird, hat in der Regel keine Handhabe, die Frist zu verlängern.
Der dritte Punkt, der unterschätzt wird: die Kontoverifizierung. Internationale Anbieter verlangen zunehmend Identitäts- und Adressnachweise vor grösseren Auszahlungen. Nach einer Sperrung dauert dieser Prozess oft länger, weil die Support-Teams mit Anfragen aus dem betroffenen Markt überlastet sind. Wer also vorher noch nie eine Auszahlung getätigt hat, sollte mit zusätzlicher Wartezeit rechnen — und im Zweifel kleinere Beträge testen, bevor das gesamte Saldo angefordert wird.
Mehr Klarheit zu funktionierenden Zahlungswegen für Schweizer Konten gibt unser Beitrag zu TWINT und CHF-Wettkonten.
Wird mein Wettkonto bei einem gesperrten Anbieter automatisch eingefroren?
Nein, die DNS-Sperre wirkt nicht auf das Guthaben, sondern auf den Zugang. Das Geld liegt weiterhin beim Operator. Auszahlungen per Banküberweisung sind in der Regel noch möglich, dauern nach einer Sperrung aber meist deutlich länger als gewohnt. Neueinzahlungen mit Schweizer Karten oder TWINT funktionieren typischerweise nicht mehr.
Wie oft aktualisiert die GESPA die Sperrliste?
Bis 2024 erschien die Liste etwa viermal pro Jahr. Seit 2025 sind die Zyklen kürzer geworden, mit Aktualisierungen alle zwei bis drei Monate. Die aktuelle Version ist jederzeit auf der GESPA-Website einsehbar.
Verfasst vom Team von „Rugby Union Wettanbieter Schweiz”.
